Pressekonferenz zur Gründung der RID Stiftung 1988

30 Jahre Rid Stiftung
1988 2018

Erfolgsgeschichten aus dem bayerischen Einzelhandel

Die Günther Rid Stiftung für den bayerischen Einzelhandel schaute 2018 auf 30 Jahre zurück.

Hier stellen wir Ihnen die erste von vielen bayerischen Erfolgsgeschichten vor. Wir beginnen unsere Serie Erfolgsgeschichten aus dem bayerischen Einzelhandel mit einem Teilnehmer am allersten Förderprogramm der Rid Stiftung vor 30 Jahren, dem
Schuhhaus Tretter aus München.

Wir sind im Gespräch mit Herrn Thomas Tretter, Geschäftsführer, sowie seinem Sohn, Gregor Tretter, Einkauf und Geschäftsleitung.

Das Traditionsschuhgeschäft Tretter wurde 1947 von Josef Tretter gegründet. Im Laufe der Jahre kamen die Schuhhäuser Bartu und Thomas hinzu. In insgesamt 26 Filialen in München, Regensburg und Augsburg sowie im eigenen Onlineshop verkauft der Schuhfachhändler Kinder-, Damen- und Herrenschuhe sowie die passenden Accessoires.
Thomas Tretter, Teilnehmer des ersten Seminars der Rid Stiftung im Jahre 1988, und sein Sohn Gregor Tretter, Teilnehmer der ‚E-Commerce Manager Ausbildung‘ im Jahr 2016, berichten über den bayerischen Einzelhandel – und von ihren Motivationen und Erkenntnissen im Zusammenhang ihrer Teilnahme an Förderprogrammen der Rid Stiftung.

Interview mit Thomas Tretter (Geschäftsführer), und Gregor Tretter (Einkauf und Geschäftsleitung).

Der bayerische Einzelhandel – einer der größten Wirtschaftszweige – befindet sich in einem Veränderungsprozess und die Dynamik hat gerade erst eingesetzt. Wachstum findet vor allem online statt. Wie reagieren Sie als traditioneller Schuhhändler darauf?

Thomas Tretter:
Wir sind von Anfang an nachhaltig gewachsen und haben immer wieder auch 2-3 Jahre Pause gemacht, bevor wir eine neue Filiale eröffnet haben. In jüngster Zeit ist in der Münchner Innenstadt die Filiale in der Weinstraße, gleich hinter dem Rathaus hinzugekommen. Schon mein Vater hatte das Haus – das vorher von einem Mitbewerber bespielt wurde – immer beobachtet und dann gab es die Möglichkeit für uns in 2016 diesen Standort zu übernehmen.

Gregor Tretter:
Neben der stationären Präsenz ist die Online-Präsenz natürlich zunehmend wichtiger für uns. Der Bartu Online-Shop war zunächst der Test für den Online-Shop von Tretter. Unser Tretter Online-Shop machte bereits nach relativ kurzer Zeit einen größeren Umsatz als der Bartu Shop nach 2 Jahren. Bei Textilien und Schuhen werden aktuell ca. 20% in Deutschland online umgesetzt. Da sehen wir vor allem unser zukünftiges Wachstumspotenzial. Wir sehen zudem große Synergien zwischen unserer Online-Strategie und unseren stationären Strukturen. Unser erstes Lager für die Onlinebestellung ist immer das Zentrallager. Wenn der Schuh hier nicht verfügbar ist, können wir auch auf die Filiallager zurückgreifen. Ein Vorteil ist da unsere räumliche Konzentration in München. Die Schuhe sind schnell im Versand und schnell beim Kunden und bei den Kundinnen. Denn das erwartet der Kunde von heute und verlangt der von morgen.

Thomas Tretter:
Es gab im Handel immer schon gute und schlechte Jahre. Die Zeiten werden allerdings momentan tatsächlich noch herausfordernder durch die zunehmende Digitalisierung unserer Wirtschaftsprozesse und das stetig wachsende Online-Geschäft. Der Verbraucher hat viele Alternativen für seine Einkäufe – stationär sowie online. Zudem kann er von überall aus bestellen. Ob aus dem Büro, von unterwegs oder von Zuhause aus. Zudem wird die Ware bequem nach Hause geliefert. Dadurch lassen die Frequenzen in den Innenstädten nach – sogar in München müssen wir das beobachten. Die Gewerbemieten sinken aber bisher noch nicht spürbar. Man muss schon sehr darum kämpfen, bei dieser Entwicklung die Ergebnisse zu halten.

Viele Experten raten dem Handel E-Commerce und stationären Handel nicht als getrennte Welten zu sehen, sondern miteinander zu verzahnen. Wie ist Ihr Ansatz diesbezüglich genau?

Thomas Tretter:
Unser Fokus liegt aufgrund unserer Markenbekanntheit in der Region München. Hier helfen uns ganz klar – auch für den Online-Bereich – unsere stationären Häuser und das bestehende und langjährig aufgebaute Kundenvertrauen in unsere Marke Tretter als Händler. Um es konkret zu machen: Im Online Shop ist die Warenverfügbarkeit für unsere Kunden pro Filiale sichtbar. Manch einer zieht es vor, den Schuh in der Filiale anzuprobieren und sich persönlich beraten zu lassen und nicht nach Hause schicken zu lassen. Dies ist ein klarer Wettbewerbsvorteil von uns gegenüber den anderen reinen Online-Anbietern. Dort wo Menschen und Filialen dahinterstehen, ist das Vertrauen in die Qualität grösser als bei Online-Pure-Playern. Die Nähe zum Kunden ist einfach da. Nicht umsonst eröffnen große Online-Händler zunehmend stationäre Geschäfte.

Gregor Tretter:
Wir sehen ganz klar die Potenziale des Omni-Channel. Wir möchten die Verzahnung unserer Online- und Offline-Kanäle mit allen Abteilungen unseres Unternehmens weiterhin verbessern. Wir befinden uns hier in einem langfristigen Prozess. Die erste Herausforderung war die Mitarbeiter miteinzubinden und tatsächlich mitzunehmen. Dies wird sicherlich noch einige Zeit beanspruchen, bis der Online-Shop überall als zusätzliche Verkaufsmöglichkeit auch im stationären Verkaufsgespräch mit eingebunden wird. Seit diesem Frühjahr fokussieren wir uns zudem auf den Tretter Online-Shop – hier sehen wir das meiste Potenzial. Die Produkte von Bartu und Thomas werden dort integriert. Die Münchner Schuhfamilie, online unter einem Dach.

Welche konkreten Verknüpfungen zwischen On- und Offline haben Sie schon direkt in den stationären Filialen?

Gregor Tretter:
Zum Beispiel in der kleinen Bartu-Filiale mit limitiertem Angebot in Augsburg. Die Verkäufer können über ein Tablet auch auf die wesentlich größeren Sortimente von Tretter und Thomas zurückgreifen und diese anbieten. Es gibt zur Zeit insgesamt drei Testfilialen. Wir wollen vor dem Rollout in allen Filialen noch einiges lernen und Prozesse optimieren.

 

Online ist nicht die einzige Herausforderung für den Einzelhandel. Wie gehen Sie mit der Nachwuchsproblematik im Fachhandel um?

Thomas Tretter:
Wir bilden unseren Nachwuchs zum allergrößten Teil selber aus. Aktuell haben wir 36 Lehrlinge, die bei uns eine Ausbildung durchlaufen. Acht schließen in diesem Jahr die Ausbildung ab und der größte Teil wird auch von uns übernommen.

Gregor Tretter:
Wir sind auch ein wenig stolz darauf, dass viele bei uns bleiben möchten. Ein gutes Zeichen und Ansporn für uns zugleich, denn Mitarbeiterentwicklung war immer wichtig und es wird noch wichtiger. Wir freuen uns auch in diesem Zusammenhang über die Möglichkeit, dass unsere Führungskräfte mittels Seminaren der Rid Stiftung weiter ihre beruflichen Kompetenzen ausbauen können.

 

Der Einzelhandel nimmt eine Schlüsselrolle für das Funktionieren unserer Innenstädte ein. Er schafft wohnortnahe Arbeitsplätze, trägt zu Steuerleistung bei, sorgt dafür, dass Kaufkraft vor Ort bleibt und Lebensqualität in den Innenstädten erhalten wird. Sollte die Politik hier bessere Rahmenbedingungen schaffen?

Gregor Tretter:
Der Einzelhandel ist für die Innenstädte mit identitätsstiftend. Das Gesicht einer Stadt wird auch vom Handel geprägt, gerade dem mittelständischen Einzelhandel kommt hier eine wichtige Bedeutung zu. Auch die Kommunen fangen an, zu erkennen, dass sie mit dem Handel zusammenwirken sollten.

Thomas Tretter:
Die Wichtigkeit von gut „funktionierenden“ Innenstädten für die Lebensqualität wird – glaube ich – zunehmend mehr wertgeschätzt. Kooperationen aller relevanten Akteure sind wichtig, um Veränderungsprozesse anzustoßen und voranzubringen. Sicherlich wären Themen wie das recht rigide bayerische Ladenöffnungszeitengesetz, ein fairerer Wettbewerb für Online-und stationäre Händler gleichermaßen hinsichtlich der Steuererhebungen und sonstiger Vorschriften sehr begrüßenswert.

 

Laut einer Studie der Internet World Messe ist Amazon gleichzeitig der beliebteste und unbeliebteste Webshop. Als Grund geben die Befragten Amazons Umgang mit den Mitarbeitern an. Sehen Sie einen positiven Bewusstseinswandel bei Kunden? Und wenn ja, wie müsste der Stationäre Handel diesen aufgreifen?

Thomas Tretter:
Ja aber gleichzeitig hat sich die Einkaufsmentalität vieler Kunden und Kundinnen auch sehr verändert. Die Kunden sind zum Teil sehr preissensibel. Die Bereitschaft, für ein gutes Produkt und die Beratung einen fairen Preis zu zahlen, hat insgesamt eher abgenommen. Wir möchten aber nicht die preisaggressive Strategie fahren und möchten die qualitäts- und serviceorientierte Ausrichtung auch so beibehalten und eher noch ausbauen.

Gregor Tretter:
Der Preis ist das eine, die Erwartungshaltung unserer Kunden ist das andere. Die persönliche Beratung ist neben der angebotenen Qualität und dem Service ein zentraler Erfolgsfaktor des stationären Einzelhandels. Hier setzen wir weiter unsere Prioritäten und werden unsere Kompetenzen weiter ausbauen. Denn ein persönlicher und sympathischer Ansatz ist bei Amazon & Co wesentlich schwieriger umzusetzen als bei uns. Wir leben und leisten durch unsere Mitarbeiter in den Filialen und diese geben uns ein Gesicht.

 

Aktuelle Veränderung als Chance sehen. Worin sehen Sie Ihre Chancen?

Gregor Tretter:
Wir brauchen ein Angebot, ein Sortiment, das nicht überall vergleichbar ist. Darin sehe ich auch unsere große Chance. Zusätzlich ist es sehr wichtig, mit gut gelaunten, positiv eingestellten Mitarbeitern auf die Kunden zuzugehen. Das ist mir auch in den Rid Seminaren noch klarer geworden. Wir legen daher sehr viel Wert auf die Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiter.

Thomas Tretter:
München wächst weiter. Bis zu 200.000 neue Einwohner werden die nächsten Jahre prognostiziert. Das ist natürlich ein sehr guter Standortvorteil für uns. Heute realisieren wir erst Online-Umsätze in Höhe einer kleineren Filiale, da ist noch viel Luft nach oben. In 5 Jahren wollen wir ca. 10% unseres Gesamtumsatzes online realisieren.

Gregor Tretter:
Aufgrund der Größe unseres Einkaufes und unserer guten Kontakte zu unseren Lieferanten haben wir die Möglichkeit, exklusive Produkte anzubieten, die es nur bei uns gibt. Unser Kundenversprechen lautet: sichere Vorauswahl, gute Qualität zu einem fairen Preis

 

Herr Tretter, Sie kannten Herrn Dr. Rid schon vor der Teilnahme an dem ersten Seminar vor 30 Jahren und haben sich dann durch einen Artikel in der SZ beworben. Wie verlief das 4-wöchige Seminar?

 

Thomas Tretter, Geschäftsführer Tretter Schuhe
„Ich habe mich beworben und hatte das Glück, ausgewählt zu werden und habe dann mit großer Freude am ersten, damals sogenannten „Vier-Wochen-Seminar“ der Rid Stiftung teilgenommen. Das Salz in der Suppe war Dr. Rid selbst, der ab und zu vorbeikam und uns u.a. von seinen 10 goldenen Regeln erzählte. Diese habe ich heute nicht mehr alle parat, aber zwei der Regeln waren: Lebe leise und eröffne deine Geschäfte möglichst in den eigenen Immobilen. Das habe ich beides immer sehr beherzigt.“

Welche Motivation hatten Sie damals zur Teilnahme?

Thomas Tretter:
Ich war zum Seminarstart 32 Jahre alt und hatte nach dem Abitur viel praktische Erfahrungen gesammelt. Ich hatte aber kein abgeschlossenes Wirtschaftsstudium. Ich wollte raus aus dem Alltagsgeschäft, mich weiterentwickeln und neue Ideen bekommen, mit denen ich dann zurück ins Geschäft gehen konnte. Daher war dieses Seminar sehr prägend für mich.

 

War das Seminar die letzte Berührung mit der Rid Stiftung?

Thomas Tretter:
Nein, drei Jahre später habe ich ein Kommunikationsseminar besucht und konnte ebenfalls viel mitnehmen. Zudem war ich einige Jahre später als Gast bei einem Seminar eingeladen und habe wiederum unser Unternehmen, unsere Strategien unsere Erfolge anderen vorgestellt. Wenn zeitlich möglich, besuche ich auch den jährlich stattfindenden Zukunftskongress der Rid Stiftung zum Austausch mit Kollegen und zur Inspiration.

 

Was hat Sie, Gregor Tretter, dazu motiviert an den Rid Seminaren teilzunehmen?

 

Gregor Tretter, Einkauf und Geschäftsleitung Tretter Schuhe
„Der Kontakt unseres Hauses zur Rid Stiftung ist nie abgebrochen, nicht zuletzt auch durch die Erzählungen meines Vaters. Mir waren die Angebote zudem durch verschiedene Mitarbeiter bekannt, die die Jahre zuvor Teilnehmer waren. U.a. auch durch unseren E-Commerce Leiter. Da ich mich mit ihm über das Thema E-Commerce auf dem gleichen Level austauschen wollte, habe ich mich beworben und habe die Ausbildung zum E-Commerce Manager absolviert. Mich interessiert das Thema Online und die Verzahnung on- und offline sehr, wie schon mehrfach erwähnt ein absolutes Zukunftsthema für uns als Händler ist.“

Wie bewerten Sie Ihre Teilnahme?

Gregor Tretter:
Es gibt ja viele Angebote auf dem Markt. Wir sind aber alle sehr froh, dass es die Rid Stiftung gibt, denn dort hat alles  theoretisch und praktisch Hand und Fuß. Die Teilnehmer sind gut ausgewählt und die beratenden Unternehmen sind top.
Ohne die Förderung der Rid Stiftung hätten wir aktuell keinen so guten Online-Shop, sondern nur in einer deutlich abgespeckten Form. Die Förderung der Rid Stiftung war ein Augenöffner für uns, in welche Richtung wir auch investieren müssen.

 

Der Austausch zwischen verschiedenen Branchen ist ein fester Bestandteil der Seminare bei der Rid Stiftung. Haben Sie dadurch einen Mehrwert für Ihr Geschäft generieren können?

Gregor Tretter:
Durch den Austausch habe ich die verschiedenen Blickwinkel kennengelernt, besonders auf die unterschiedlichsten Geschäftsfelder. Jedes Unternehmen schaut zunächst auf sich und dann auf die Branche. Grundsätzlich habe ich gelernt: Wie setzen andere Unternehmen um und was könnten wir davon auf uns übertragen. Das ist ein sehr wichtiger Mehrwert, den ich mitgenommen habe.

Thomas Tretter:
Nach meiner Teilnahme ist mir noch bewusster geworden, wie wichtig es ist, sich von der Masse andere Schuhläden abzuheben. Daraus abgeleitet haben wir verstärkt auf Marken gesetzt, die es nur bei uns gibt – oder die zumindest nur sehr selektiv bei Mitbewerbern erhältlich sind. Außerdem ist es mir noch bewusster geworden, wie wichtig die Lage und Position der Häuser ist und dass man Geschäfte, wenn möglich, in eigenen Immobilen eröffnen oder zumindest auf die Langfristigkeit von Mietverträgen setzen sollte. Auch in diesen Fragen ist der Kontakt über die Branchengrenzen hinaus sehr wichtig.