30 Jahre Rid Stiftung
1988 2018

Erfolgsgeschichten aus dem bayerischen Einzelhandel

 

Die Günther Rid Stiftung für den bayerischen Einzelhandel stellt die 6. von vielen bayerischen Erfolgsgeschichten vor. Wir führen unsere Serie „Erfolgsgeschichten aus dem bayerischen Einzelhandel" fort, mit dem Stadtmarketing Gunzenhausen, das auch in Krisenzeiten beispielgebend agiert.

Episode 6 - Stadtmarketing Gunzenhausen

Stadtmarketing Gunzenhausen beispielgebend auch in Krisenzeiten

 

Einzelhändler, Start-Ups, Familienunternehmen: Seit über 30 Jahren greift die Günther Rid Stiftung für den bayerischen Einzelhandel Akteuren der lokalen Wirtschaft im Freistaat erfolgreich unter die Arme. Sie bewegt sich aber auch auf größerem Terrain, wie das Beispiel Gunzenhausen zeigt. Dort war sie Geburtshelfer einer herausragenden Strategie für das Stadtmarketing.

 

(Idyllisch gelegen inmitten des fränkischen Seenlandes: Die Stadt Gunzenhausen ist ein Tourismusmagnet. Auch der Einzelhandel floriert. Foto: Thomas Geiger.)

Mitarbeiter*innen werden in Kurzarbeit geschickt, an den Ladenschaufenstern hängen Zettel mit den Hinweisen auf behördliche Schließungen oder zu speziellen Lieferdiensten. Die Corona-Pandemie trifft den bayerischen Einzelhandel mit voller Wucht. Einkaufsmeilen, durch die sonst werktags Hunderte von Menschen schlendern, sind verwaist, gähnende Leere herrscht vor den Geschäften. Wer kaufen will, muss dies online tun – längst haben die Händler mit pfiffigen Konzepten darauf reagiert. Dabei gilt gerade jetzt die Devise: Je besser vernetzt jemand ist, je mehr er auf örtliche Strukturen und Hilfsangebote im Netz zurückgreift, desto erfolgreicher kann er die Krise meistern. Einzelkämpfer haben es deutlich schwerer in Corona-Zeiten. Zusammenarbeit lautet das Gebot der Stunde.

Wer in der mittelfränkischen Stadt Gunzenhausen betroffen ist, kann auf ein starkes Netzwerk zählen. Das zeigt alleine schon ein Blick auf die Homepage www.stadtmarketing-gunzenhausen.de: Dutzende von Informationen zum Thema Corona sind dort gebündelt, in jederlei Hinsicht wird Betroffenen unter die Arme gegriffen. Ob Informationen zu Soforthilfen des Bundes oder des Handelsverbands Bayern oder anderer Institutionen, ob eine Servicehotline, Liquiditätshilfen oder Notfallnummern für Betriebe, die in Not geraten sind: Das Hilfspaket, das die Stadt Gunzenhausen seit dem 17. März 2020, nach Verkünden der Ausgangsbeschränkungen, für die dort ansässige Geschäftswelt schnürt, könnte kaum umfassender sein. „Wir haben sofort reagiert und im Netz zahlreiche Unterstützungsmöglichkeiten angeboten“, informiert Jeanette Holzschuh, Leiterin der Geschäftsstelle Stadtmarketing Gunzenhausen e.V.

Darüber hinaus können sich Betroffene unter der Rubrik „Öffnung, Erreichbarkeit und Liefermöglichkeiten Gunzenhäuser Unternehmen“ in eine ständig aktualisierte Liste eintragen lassen, über die sie für ihre Kunden erreichbar sind. Sei es über einen eigenen Online-Shop, über Telefon oder E-Mail: „Diese Liste ermöglicht den Unternehmen, weiterhin so effektiv wie möglich im Markt präsent zu sein“, schildert Holzschuh weiter. Mehr Hilfe in Zeiten von Corona geht nicht!

(Bildinfo: Freuen sich über gelungene Aktionen im Rahmen des Stadtmarketings (v.l.): Andreas Zuber, (Stadt Gunzenhausen Wirtschaftsförderung), Jeanette Holzschuh (Leiterin der Geschäftsstelle Stadtmarketing Gunzenhausen e.V.) und Markus Jocher (Citymanagement CIMA). Foto: Stadtmarketing Gunzenhausen e.V.)

Möglich macht dies ein besonderes Konstrukt: der Verein „Stadtmarketing Gunzenhausen“, der im Sommer 2015 gegründet wurde und sich seitdem auf der Überholspur befindet. Über 150 Mitglieder mit Akteuren der örtlichen Wirtschaft sind ihm schon beigetreten, fast täglich werden es mehr. „Der Vereinszweck war und ist, die Attraktivität Gunzenhausens zu erhalten und zu stärken“, benennt Citymanager Markus Jocher von der CIMA die Idee hinter dem Vorstoß für die örtliche Geschäftswelt. Kernstück des Stadtmarketings sind die Unternehmen der rund 16.000-Einwohner-Stadt, Vereine und die Stadtverwaltung – ein Zusammenspiel, das deswegen so effektiv ist, weil alle Beteiligten dasselbe Anliegen haben: die Kaufkraft im Ort zu erhöhen, die Geschäftswelt zu stärken und so der Stadt – vor allem über die Gewerbesteuer – zu einer weiteren soliden Einnahmequelle zu verhelfen. Eine Win-Win-Situation für alle. Vor allem auch der Tourismus profitiert davon, der nach den Worten von Andreas Zuber immer mehr an Bedeutung gewinnt:

„Wir hatten im vergangenen Jahr über 300.000 Übernachtungen – ein Erfolg, den wir vor allem auch auf unser Stadtmarketingkonzept zurückführen“, freut sich der Wirtschaftsförderer der Stadt. Seit vier Jahren strahlt Gunzenhausen mit Leuchtturmprojekten bis weit in die Region aus – etwa mit dem beliebten KulturHerbst, der Eisbahn am Marktplatz, verkaufsoffenen Sonntagen und anderen Projekten. „All das belebt unser Stadtbild, stärkt Industrie und Handel und macht auf Handwerk und Vereine aufmerksam.“ „Vor allem die Eisbahn hat eine erfreuliche Entwicklung genommen. Sie zählt inzwischen zu den festen Programmpunkten der Stadt“, schildert Zuber.

Wie Online-Befragungen zeigten, kommen die Besucher zu jeweils rund der Hälfte aus Gunzenhausen und aus dem näheren und weiteren Umland. Vor allem der Einzelhandel profitiert kräftig von diesem Besucherstrom, denn viele Gäste verbinden den Spaß auf dem Eis mit einem Gang in die örtlichen Lokalitäten und einem Einkaufsbummel. Die Kaufkraft hat stark zugenommen, informiert Zuber.

Fest in der Geschäftswelt verankert ist inzwischen das Thema E-Commerce – in Gunzenhausen auch lange vor Corona. Um das vielfältige Angebot der Gunzenhauser Unternehmen auch digital so gut wie möglich zu präsentieren, spielen der lokale Online-Marktplatz www.ingunzenhausen.de sowie die sozialen Medien eine wichtige Rolle.

 

(Bildinfo: Ein Aushängeschild: die beliebte Eisbahn im Herzen der Stadt. Sie lockt jährlich Hunderte von Besuchern an. Davon profitiert auch der örtliche Einzelhandel. Foto: Ingeborg Herrmann.)

So erschienen laut Jocher im vergangenen Jahr rund 150 Nachrichten und über 300 Werbungen und Angebote von Firmen der Stadt. „Zusätzlich wird dort über Veranstaltungen informiert, Vereine können sich vorstellen, verschiedene Mitmach-Aktionen wie Osternester-Basteln, Kerwa-Rätsel oder Adventskalender standen auf dem Programm“, berichtet der Citymanager. Der Erfolg spiegelt sich in den Zahlen wider: von 500 auf über 1000 Klicks hat sich die wöchentliche Besucherzahl gesteigert. Die Abonnentenzahl bei Facebook hat sich binnen eines Jahres von 230 auf 611 erhöht. „Insgesamt lässt sich festhalten, dass der Großteil der Aktionen, die im Rahmen des Stadtmarketings erfolgten, die Attraktivität der Stadt erheblich erhöht haben“, lautet Jochers erfreuliches Fazit. Wäre Corona nicht, würden sich Bummler, Besucher und Passanten am Anblick vieler bunter Geschäfte und eines lebendigen Stadtbilds beim Shoppen erfreuen. Ladensterben, andernorts leider traurige Realität, ist in der mittelfränkischen Stadt ein Fremdwort.

(Bildinfo: Der KulturHerbst der Stadt Gunzenhausen lockt jährlich Tausende Besucher an. Ein Meilenstein – dank des neuen Stadtmarketingkonzepts. Foto: Ingeborg Herrmann.)

Impulsgeber in der Aufbauarbeit: die Günther Rid Stiftung für den bayerischen Einzelhandel

Doch im Alleingang hätte das niemand stemmen können – viel praxisrelevantes Wissen musste in die mühsame Aufbauarbeit fließen. Von Anfang an hat das neue Stadtmarketingkonzept die Günther Rid Stiftung für den bayerischen Einzelhandel mit maßgeschneiderten Seminaren begleitet, darunter vor allem zu den Bereichen „Unternehmensführung im Handel“, „E-Commerce & Technologie“ und „Stadtmarketing“ zusammen mit der CIMA als langjährigem Umsetzungspartner. „Das war eine Bereicherung, von der wir alle ungemein profitiert haben“, lobt der Citymanager die Arbeit der Referenten in den verschiedenen Workshops. Er sei sich sicher, dass die Kommune es ohne die Rid Stiftung nicht so weit geschafft hätte. „Diese Flughöhe hätten wir sicher nicht erreicht.“ Eine Einschätzung, die auch Zuber teilt: „Bei uns ging es um die Frage: Wie können wir ein langfristiges Stadtmarketing aufbauen? Welche Rolle spielt die Wirtschaftsförderung für den Einzelhandel? Wie genau muss das Citymanagement aussehen? Darüber haben wir in den Seminaren der Rid Stiftung sehr viel erfahren.“ Es galt, eine Vielzahl von Dingen gleichzeitig anzupacken. Digitale Kundenbindung, Aufbau von Online-Schaufenstern, Stärkung touristischer Strukturen, Storytelling im Stadtmarketing, der wichtige Bereich der Markenbildung, auch profunde Kenntnisse zur neuen Datenschutzverordnung: Das Wissen darüber haben sich Holzschuh, Zuber und Jocher über die Rid Stiftung angeeignet. Der Weg, der vor vielen Jahren schon eingeschlagen wurde, überzeugte sogar das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, das Gunzenhausen in das Modellprojekt „Digitale Einkaufsstadt“ aufgenommen hat.

 

 

Text: Rid Stiftung / Rafael Sala
Fotos: Thomas Geiger / Ingeborg Herrmann