Episode 23 – Galerie Zettl: Wie die Weltkunst nach Oberlindhart kam

Juli 2026 – Die Günther Rid Stiftung für den bayerischen Einzelhandel stellt die 23. von vielen bayerischen Erfolgsgeschichten vor. Dieses Mal steht die Galerie Zettl in Oberlindhart im Mittelpunkt. Was einst als private Leidenschaft begann, entwickelte Brigitte Zettl mit Mut, Ausdauer und unternehmerischem Weitblick zu einer überregional bekannten Galerie.

Seit fast 40 Jahren führt Brigitte Zettl ihre Galerie im eigenen Wohnhaus in Oberlindhart. Was als private Leidenschaft begann, ist heute ein Kosmos der Kunst mit Strahlkraft – persönlich geführt und weit über die Region hinaus bekannt.
Seit fast 40 Jahren führt Brigitte Zettl ihre Galerie im eigenen Wohnhaus in Oberlindhart. Was als private Leidenschaft begann, ist heute ein Kosmos der Kunst mit Strahlkraft – persönlich geführt und weit über die Region hinaus bekannt.

James Rizzi, Janosch, James Francis Gill, Otmar Alt – sie alle waren da. Für Werke von Stars wie Andy Warhol oder Bob Dylan reisen Kunstsammler und Kunstbegeisterte in die niederbayrische Provinz: Im 400-Seelen-Dorf Oberlindhart hat Brigitte Zettl eine Galerie für moderne und zeitgenössische Kunst aufgebaut – zunächst neben ihrem Beruf. Die Rid Stiftung half ihr, aus der privaten Leidenschaft ein tragfähiges Unternehmen zu formen. Bald feiert Brigitte Zettl ihr 40-jähriges Jubiläum als Kunsthändlerin und Galeristin. Ihr Erfolgsgeheimnis: „Ich möchte die Freude an der Kunst teilen und ich denke, das kann ich gut.“

„Wo bitte ist Oberlindhart?“

Schon ihr ganzes Berufsleben lang begleitet Brigitte Zettl diese Frage, inzwischen ist sie ein Running Gag: „Wo bitte ist Oberlindhart?“ Der New Yorker Künstler James Rizzi, am Flughafen gefragt nach seinem Reiseziel, soll der Ratlosigkeit des Neugierigen mit den Worten begegnet sein: „Was, Sie kennen Oberlindhart nicht?“

Oberlindhart liegt genau in der Mitte zwischen Regensburg, Landshut und Straubing, die Umgebung ist von Feldern, Wäldern, Höfen und Weilern geprägt. Brigitte Zettl empfängt ihre Besucherinnen und Besucher im eigenen Haus, das von einem idyllischen Garten mit Blühwiese und Apfelbäumen umgeben ist. Äußerlich bricht die 1980er-Jahre-Architektur mit jeder Erwartung, sowohl was die ländliche Umgebung als auch die Vorstellung einer Galerie betrifft. Doch unter dem stattlichen Walmdach erstreckt sich auf rund 150 Quadratmetern Fläche ein Kunstkosmos, der den Vergleich mit Münchner Galerien nicht scheuen muss.

Das Wohnhaus in Oberlindhart umgibt ein großer Garten mit alten Apfelbäumen, Skulpturen von Otmar Alt, Patrick Preller und Künstler Herman. Auch Walmdach und Garagentor tragen Brigitte Zettls Handschrift. Hier lädt sie zu ihren Gartenvernissagen.
Das Wohnhaus in Oberlindhart umgibt ein großer Garten mit alten Apfelbäumen, Skulpturen von Otmar Alt, Patrick Preller und Künstler Herman. Auch Walmdach und Garagentor tragen Brigitte Zettls Handschrift. Hier lädt sie zu ihren Gartenvernissagen.
Brigitte Zettl zeigt einer Kundin einen Originaldruck von Andy Warhol. Viele Besucherinnen und Besucher kommen aus der Region, aber auch aus ganz Deutschland, um das Portfolio der Galerie zu erleben.
Brigitte Zettl zeigt einer Kundin einen Originaldruck von Andy Warhol. Viele Besucherinnen und Besucher kommen aus der Region, aber auch aus ganz Deutschland, um das Portfolio der Galerie zu erleben.

An den Wänden der Dauerausstellung hängen Arbeiten von Künstlern und Künstlerinnen, deren Werke Brigitte Zettl seit Jahrzehnten zeigt und verkauft, aus Pop Art, Comic Art und zeitgenössischer Kunst: Otmar Alt, Angelika Littwin-Pieper, Janosch und Ed Heck, um nur einige zu nennen. Zu sehen sind Unikate und Originalgrafiken wie Radierungen, Lithografie, Siebdruck und Holzschnitte. Die Galerie Zettl ist auch autorisierte Partnergalerie für James Francis Gill oder James Rizzi. Anfang 2026 wurden Werke von Bob Dylan gezeigt, die Liste vergangener Vernissagen zieren Namen wie James Francis Gill, Saxa oder Ewen Gur. Im Garten steht ein farbenfroher Zirkuswagen, um den sich Metallskulpturen von Patrick Preller gruppieren. In nicht allgemein zugänglichen Räumen warten weitere Werke auf die richtigen Käufer.

Früh vom Sehen gepackt

Wie hat Brigitte Zettl zum Kunsthandel gefunden? „Ein Augenwesen, so hat mich Otmar Alt einmal genannt, der Begriff passt gut zu mir“, sagt sie. Schon in der ersten Klasse fallen ihre Zeichenhefte auf. Mit sechzehn Jahren steht sie im Rijksmuseum in Amsterdam und kann sich nicht sattsehen. Mit 19 Jahren erwirbt sie ihr erstes Kunstwerk. Doch beruflich entscheidet sich Brigitte Zettl für eine Laufbahn im Öffentlichen Dienst, die Kunst bleibt ihre private Leidenschaft.
Wann immer Geld übrig ist, kauft sich die junge Frau wieder ein Bild. Einige hängt sie in den Räumen einer Steuerkanzlei auf. So kommt es, dass sie immer öfter angesprochen wird: Wo gibt es denn diese Bilder, können Sie mir so etwas besorgen? Das Hobby wird zur zweiten Profession: 1987 meldet Brigitte Zettl ein Gewerbe an, verkauft nun auch die gefundenen Werke weiter. Im Haus, das sie und ihr Mann bauen, richtet sie ihre Galerie ein.


Mit Otmar Alt fing alles an

Als Brigitte Zettl Otmar Alt kennen lernt, ist sie Ende 20, sie nennt die Begegnung in München „schicksalhaft“. Sie erwirbt nicht nur ein Bild des im Ruhrgebiet lebenden Künstlers, man kommt auch ins Gespräch, schnell ist zu spüren, wie sympathisch man sich ist. Spontan lädt Otmar Alt sie zum Essen in den Münchner Ratskeller ein. Damit beginnt ein regelmäßiger Austausch. Für Kunst ist Brigitte Zettl kein Weg zu weit. Sie besucht den Künstler in Hamm, holt Bilder bei ihm ab, darf ihn in seinem Atelier besuchen – eine Ehre, die nicht jedem zuteilwird. Otmar Alt selbst regt an, sie solle doch eine Vernissage mit seinen Grafiken veranstalten. Sie setzt den Plan in die Tat um. Eingeladen werden die Honoratioren aus Mallersdorf-Pfaffenberg. Auch die Presse interessiert sich. Antenne Bayern fragt im Dorf nach, was diese Frau dort eigentlich mache. Die Antwort: Das wisse man auch nicht so genau.
Die Organisation, sagt Brigitte Zettl heute, war „Learning by Doing“, die Ausstellung ein Erfolg. „Danach bin ich richtig eingestiegen.“  Es folgen Ausstellungen der klassischen Moderne: 1992, ein Jahr nach der großen Retrospektive in der Kunsthalle in München, stellt die Galerie Grafiken von Chagall aus, dann Miró und Dalí. „Damals hat mir noch das Know-how gefehlt, um Ausstellungen dieser Qualität richtig zu vermarkten“, erklärt Brigitte Zettl. Sie habe keine Ahnung von Betriebswirtschaft und Galerieführung gehabt. Das soll sich mit ihren nächsten beruflichen Schritten grundlegend ändern.

Pop Art, Comic Art, klassische Moderne, zeitgenössische Kunst – Brigitte Zettl kuratiert mit sicherem Blick. Dafür reist sie auf Messen, besucht Ateliers und Galerien, trifft Künstler*innen und Kund*innen. Jedes Jahr stehen drei Vernissagen und zwei kompl
Pop Art, Comic Art, klassische Moderne, zeitgenössische Kunst – Brigitte Zettl kuratiert mit sicherem Blick. Dafür reist sie auf Messen, besucht Ateliers und Galerien, trifft Künstler*innen und Kund*innen. Jedes Jahr stehen drei Vernissagen und zwei komplette Ausstellungswechsel auf dem Programm.

Mit der Rid Stiftung von der Nebenrolle zur Berufung

Denn allmählich wird die Doppelbelastung spürbar: Brigitte Zettl arbeitet immer noch in Landshut in der Verwaltung. Deshalb switcht die Angestellte auf halbtags, merkt schließlich, dass auch das nicht funktioniert – die Galerie braucht sie ganz. Als sie diese Erkenntnis trifft, ist sie Ende 30 und steckt in einer schwierigen Phase. Sie lebt in Scheidung, muss das Haus abbezahlen, in dem sie jetzt allein lebt, und sämtliche finanziellen Verpflichtungen tragen. Auf der Waagschale liegt die Sicherheit als Angestellte versus das Leben als Galeristin auf dem Dorf. Das Umfeld spielt im Team Sicherheit, Brigittes Herz schlägt für die Kunst.

Da kommt die Rid Stiftung ins Spiel. Brigitte Zettl liegt mit gebrochenem Knöchel zuhause, blättert erstmals durch ihr IHK-Magazin und entdeckt einen Hinweis auf das Förderprogramm für den bayrischen Einzelhandel. Kurzerhand bewirbt sie sich bei der Rid Stiftung und wird angenommen. In ihrem ersten Kurs, einem Kommunikationsseminar mit Dr. Otmar Pichler, spricht sie offen über ihre unklare Situation. Er bestärkt sie darin, dass er die Galerie für zukunftsfähig hält.

Die Galerie schließt eine Lücke

Für eine fundierte Entscheidung und Ausbildung werden ihr weitere Fortbildungen empfohlen. Das Programm „Unternehmensführung im Handel“, damals geleitet von Prof. Dr. Gustav Kuhn, lässt sie tief in die betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge eintauchen. Es ist ein Prozess, bis Brigitte Zettl ihre Rolle als Unternehmerin definiert hat. Ihre Alleinstellung: moderne Kunst auf dem Land. „Wir haben in den Seminaren meine Situation genau analysiert und den Blick auf mein Potenzial gerichtet“, erzählt sie. Ihre Vorteile: keine hohen Mietkosten, kein Personalapparat, das persönliche Umfeld in Oberlindhart. Was ebenfalls ins Gewicht fällt: Das Publikum in der Region ist offen für Neues.

Im Jahr 2007 ist sie für die Wende gerüstet. „Der Rid Stiftung bin ich so dankbar, weil ich so viel gelernt habe“, resümiert Brigitte Zettl. „Im Coaching kam deutlich heraus, dass ich Galeristin bin und die Tätigkeit in der Verwaltung mich nicht mehr erfüllt. Das gab mir Sicherheit. Und die Galerie läuft seitdem sehr gut.“


Verstärkte Werbung und internationale Namen

Mundpropaganda wird für Brigitte Zettl zum stärksten Marketinginstrument. Mit ihrem Newsletter erreicht sie zudem eine stetig wachsende Zielgruppe. Heute wird per E-Mail zu den Veranstaltungen eingeladen, früher verschickte Brigitte Zettl noch gedruckte Einladungskarten. WhatsApp dient als direkter Kommunikationsweg. Die eigentliche Arbeit geschieht am Telefon, in persönlichen Gesprächen, auf Reisen. „Ich habe ganz viele Stammkunden“, sagt sie, „auch Sammler, für die ich Dinge zusammenstelle oder aufspüre.“

Brigitte Zettl arbeitet unermüdlich am Netzwerk und der öffentlichen Wahrnehmung. Sie besucht Kunstmessen wie die Art Karlsruhe, Art Basel, die Biennale in Venedig, Museen und Galerien. Hier knüpft sie neue Kontakte zu Künstlern und Kunden. Mit jedem großen Namen, sei es James Francis Gill oder Udo Lindenberg, wächst die Aufmerksamkeit: Nachrichten aus der Galerie finden regelmäßig Platz in der Regionalpresse und in der Münchner Abendzeitung. Die Kundenzahl wächst, das Einzugsgebiet wird größer.

James Rizzi kam mehrmals nach Oberlindhart. Für Brigitte Zettl wurde der New Yorker Pop-Art-Künstler zu einem wichtigen Wegbegleiter – und seine 3-D-Grafiken zu einem Markenzeichen der Galerie.
James Rizzi kam mehrmals nach Oberlindhart. Für Brigitte Zettl wurde der New Yorker Pop-Art-Künstler zu einem wichtigen Wegbegleiter – und seine 3-D-Grafiken zu einem Markenzeichen der Galerie.

„Only farmers, only farmers“
Die erste Vernissage mit James Rizzi war für die Galerie ein Meilenstein. Im Atelier von Otmar Alt hatte Brigitte Zettl ein kleines Bild des amerikanischen Künstlers entdeckt. Sie trifft ihn 2005 in Hamburg, kauft ein Bild, lässt es signieren. Und dann fragt sie ihn direkt: Ich habe auch eine Galerie, wollen Sie nicht einmal zu mir kommen? „Die Amerikaner sind ja sehr freundlich“, erinnert sie sich, „er hat gleich zugesagt“. Als sich zunächst nichts bewegt, bohrt die Galeristin beherzt beim Management nach: Herr Rizzi habe es versprochen, und was man in Bayern verspreche, halte man auch. „Ich hatte ja nichts zu verlieren“, erzählt sie lachend. Am nächsten Tag kommt die Zusage. „Ich sage Ihnen, das war ein Riesending.“

Während Brigitte Zettl mit Hilfe von Freunden noch mitten in den Vorbereitungen steckt, wird James Rizzi am 13. Mai 2006 vom Münchner Flughafen nach Oberlindhart gefahren. Es geht über Landstraßen, durch ein Dorf nach dem anderen, ständig muss der Chauffeur Traktoren überholen. Rizzi wird, wie sein Manager später erzählt, immer stiller: „Only farmers, only farmers“, habe er gemurmelt.

Am Tag der Vernissage ist der Ort nicht wiederzuerkennen, der internationale Künstlerbesuch bricht alle Dämme. Die Feuerwehr rückt an und muss den Verkehr regeln. Brigitte Zettl schließt die Eingangstür, Besucherinnen und Besucher dürfen nur noch gruppenweise in die Ausstellungsräume. Und dann gibt es eine Szene, die die Galeristin nie vergessen wird: Während sie im Garten ihre Eröffnungsrede hält, lässt ein Windstoß die Blütenblätter der Apfelbäume wie Schneeflocken um James Rizzi tanzen. „Rizzi war fasziniert, so etwas hatte er noch nie erlebt“, erinnert sie sich. „Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich an diesen Moment denke.“ Später wird Rizzi ohne Unterlass signieren. Von da an, so Brigitte Zettl, sei der berühmte New Yorker Pop-Art-Künstler jedes Jahr nach Oberlindhart gekommen.

Kunst ohne Schwellenangst
Eine bestimmte Kunstepoche oder Ausrichtung verfolgt Brigitte Zettl nicht. Ihre Partnerschaften beruhen auf Sympathie, die Chemie muss stimmen. „Ich vertrete nur, was mir gefällt“, sagt sie. Dennoch zeichnet sich über die Jahre eine Tendenz ab: Humor, ein Augenzwinkern, die Freude an der Betrachtung und starke Farben sind oft in den Werken zu finden, weshalb sich große Vertreter von Pop Art und Comic Art in der Künstlerliste aneinanderreihen.

Brigitte Zettl im Gespräch mit dem Künstler Patrick Preller. Seine Metallskulpturen, die „Monster“, blicken Besucher schelmisch an. Die Galeristin vertritt nur Kunst, die ihr gefällt, und Künstler*innen, zu denen sie eine persönliche Beziehung pflegt.
Brigitte Zettl im Gespräch mit dem Künstler Patrick Preller. Seine Metallskulpturen, die „Monster“, blicken Besucher schelmisch an. Die Galeristin vertritt nur Kunst, die ihr gefällt, und Künstler*innen, zu denen sie eine persönliche Beziehung pflegt.
Auch Janosch gehört zu den großen Namen der Galerie. Aus der ersten Begegnung in Oberlindhart entwickelte sich eine langjährige Freundschaft mit Besuchen auf Teneriffa, einem regen Briefwechsel und vielen erfolgreichen Vernissagen.
Auch Janosch gehört zu den großen Namen der Galerie. Aus der ersten Begegnung in Oberlindhart entwickelte sich eine langjährige Freundschaft mit Besuchen auf Teneriffa, einem regen Briefwechsel und vielen erfolgreichen Vernissagen.

Oberlindhart, das ist heute ein Kompliment und Qualitätsversprechen zugleich. Gerade die Werke von James Rizzi passen gut zum Publikum. Seine farbigen 3-D-Arbeiten sind zugänglich. Viele Kundinnen und Kunden kaufen zunächst eine kleine Grafik, dann eine größere und später ein Unikat. Als James Rizzi im Dezember 2011 stirbt, gehen die Preise durch die Decke. Und die Kundschaft merkt: Kunst ist ein rentables Anlageobjekt. Aber es fahren auch viele, die nie eine Münchner Galerie betreten würden, nach Oberlindhart. Weil sie wissen, sie werden dort wie bei Freunden willkommen geheißen. Es macht nichts, wenn sie nichts von Kunst verstehen. Brigitte Zettl geht auf sie zu und erzählt etwas über Werk und Schöpfer oder Schöpferin. Danach dürfen sie verweilen, solange sie möchten. Weil es keine festen Öffnungszeiten gibt, kommen Stammkunden auch abends zu Besuch.

Kommt Janosch?

Den Kinderbuchillustrator und Schriftsteller Janosch kann Brigitte Zettl 2014 gewinnen. Sie umwirbt den Autor des „Apfelmännchens“ mit Fotos vom Garten. Janosch war bekannt dafür, Vernissagen zu meiden. Doch nach Oberlindhart kommt er. Auch aus dieser Begegnung entsteht eine langjährige Verbindung. Ein Zirkuswagen wird im Garten aufgestellt und für eine erotische Ausstellung mit dem Künstler gestaltet, nur Erwachsene dürfen ihn betreten. „Beim Signieren hatte Janosch Tränen vor Lachen in den Augen“, schmunzelt Brigitte Zettl, „immer wieder hat er gefragt, wer denn diese Schweinerei gemalt habe.“ Als Zettl 2026 zu Janoschs 95. Geburtstag eine große Ausstellung plant, erhält sie von ihm einen liebevollen Brief – die Anreise ist dem Künstlerfreund aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich.

Den Zirkuswagen im Garten schmücken Kunstwerke von Otmar Alt. Er steht für den Charakter der Galerie: farbenfroh, eigenwillig und offen für ungewöhnliche Ideen. Eingeweiht wurde er mit einer Ausstellung erotischer Werke von Janosch.
Den Zirkuswagen im Garten schmücken Kunstwerke von Otmar Alt. Er steht für den Charakter der Galerie: farbenfroh, eigenwillig und offen für ungewöhnliche Ideen. Eingeweiht wurde er mit einer Ausstellung erotischer Werke von Janosch.

Vernissagen mit einzigartiger Handschrift

Auch mit Künstler Herman, bürgerlich Herman Reichold, verbindet sie eine lange Zusammenarbeit. Sie veranstaltet Gartenvernissagen, bei denen die Besucherinnen dem Pop-Art-Maler beim Zeichnen zusehen können. Die Werke werden direkt gerahmt und verkauft. 2014 rollt für eine Vernissage sogar ein Sattelschlepper an – abgeladen wird ein Original von James Rizzi: das vom Künstler bemalte Stück der Berliner Mauer. Niemand kauft es, auch Brigitte Zettl ergreift die Gelegenheit nicht. Heute weiß sie: Damals, für unter 100.000 Euro, wäre das Werk ein Glücksgriff gewesen.

Die Katze von Künstler Herman entstand in Zusammenarbeit mit einer Beton-Gießerei aus der Region. Das tonnenschwere Objekt steht im Garten der Galerie und beweist mit leuchtender Nase, dass in der Galerie Zettl Kunst und Humor zusammengehören.
Die Katze von Künstler Herman entstand in Zusammenarbeit mit einer Beton-Gießerei aus der Region. Das tonnenschwere Objekt steht im Garten der Galerie und beweist mit leuchtender Nase, dass in der Galerie Zettl Kunst und Humor zusammengehören.

Drei Veranstaltungen gibt es im Jahr. Jede Vernissage wird liebevoll gestaltet, ob als Sommerfest oder Weihnachtsmarkt. Verwandte, Freundinnen und Stammkundinnen helfen beim Dekorieren, Verkaufen, Verpacken und der Verköstigung der Gäste. „Ich habe ein lockeres Team von etwa 20 Personen, die mich unterstützen.“ Die Galeristin organisiert zudem Konzerte und Lesungen, um den Kontakt mit ihren Kunden zu vertiefen. Oder sie verabredet sich mit ihnen zum Essen und zur Vernissage in einem Sternelokal.

Jeans aus Künstlerhand

Seit 2010 hat Brigitte Zettl eine weitere Aufgabe: Sie soll die „ART in B – Kunst in Buttenheim“ des Levi Strauss Museums kuratieren. Das Projekt geht auf eine persönliche Begegnung mit dem damaligen, kunstaffinen Bürgermeister zurück. Bei den Einzelausstellungen kann Brigitte Zettl auch verkaufen, und sie nutzt die Verbindung zu ihren Künstlern. Auch ist es ihre Idee, dass der jeweilige Künstler eine Levi’s 501 gestaltet. Die Reihe beginnt mit James Rizzi; der allerdings erkrankt und kann nicht mehr anreisen. Er schickt dem Museum eine handbemalte Jeans als Geschenk. Sie gehört zu seinen letzten Werken und wird als wertvolles Unikat zu besonderen Anlässen gezeigt.

Brigitte Zettl ruft auch Schulprojekte ins Leben. Mit Künstler Herman können Kinder eigene Bilder oder Objekte gestalten. Eine erste Klasse malt auf weiße Tüten, welche Botschaft sie in die Welt hinaustragen möchte. Ältere Schülerinnen und Schüler setzen sich mit Europa auseinander und arbeiten gemeinsam an einem großen Bild.

Die Rid Stiftung bleibt für die Galeristin über Jahrzehnte ein wichtiger Impulsgeber. Brigitte Zettl besucht regelmäßig Seminare, pflegt Kontakte zu ehemaligen Teilnehmerinnen und Teilnehmern und trifft sich im Kreis der „Rid Singers“ mit dem harten Kern einmal im Jahr zum Erfahrungsaustausch.

Marilyn Monroe zum Jubiläum

Blick in die Galerie auf Marilyn Monroe von James Francis Gill: Zum 100. Geburtstag der Hollywood-Ikone kuratiert Brigitte Zettl eine Ausstellung mit Fotografien, die erstmals in Deutschland gezeigt werden.
Blick in die Galerie auf Marilyn Monroe von James Francis Gill: Zum 100. Geburtstag der Hollywood-Ikone kuratiert Brigitte Zettl eine Ausstellung mit Fotografien, die erstmals in Deutschland gezeigt werden.

2027 steht das 40-jährige Jubiläum von Brigitte Zettl als Galeristin an. Sie wird es mit großen Ausstellungen berühmter Künstler feiern. Auch Johnny Depp ist eingeplant. Bereits im Herbst 2026 wird eine Ausstellung mit Fotografien von Marilyn Monroe für Furore sorgen. Die Fotografien der Schauspielerin, die kurz vor ihrem Tod entstanden sind, werden in Deutschland erstmals gezeigt. Brigitte Zettl wird sie unter anderem mit Arbeiten von James Francis Gill flankieren.

Aufhören möchte Brigitte Zettl jedenfalls noch nicht. „Alles darf so weitergehen, solange ich gesund bleibe“, sagt sie. Die Galerie ist ihr Leben, die Kunst gibt ihr Freiheit und erfüllt sie ganz. „Kunst heißt sehen lernen. Ist das nicht eine wunderschöne Aufgabe?“

Text: Rid Stiftung / Anita Güpping, Fotos: Rid Stiftung / Jan Schmiedel